Rezension und Zusammenfassung des Films Alcarras (2023)


In der Küche des Clanhauses streiten sich der eigensinnige Patriarch Quimet (Jordi Pujol Dolcet) und sein stiller, betagter Vater Rogelio (Josep Abad). Der Boden, den sie seit dem Spanischen Bürgerkrieg bearbeitet haben, gehört nicht ihnen, sondern den Pinyols, wohlhabenden Landbesitzern, die ihr Wort gegeben haben, sie nie wieder zu bestehlen. Aber ohne Vertrag beschloss Pinyols Sohn, dieses Versprechen zurückzuziehen und profitable Solarmodule zu installieren.

Quimets einzige Möglichkeit, auf dem Land zu bleiben, besteht darin, die Landwirtschaft einzustellen und daran zu arbeiten, die neue Technologie aufrechtzuerhalten. Es ist eine uralte Geschichte darüber, wie der schwindelerregende Ansturm der Moderne und der Ehrgeiz alte Lebensweisen zerstören. Der letztjährige maltesische Spitzenreiter „Luzzu“ bot einen ähnlichen Blick auf die Nöte von Generationen von Fischern in dieser Mittelmeernation.

Inmitten sonniger Landschaften verbindet sich Simóns Instinkt, naturalistische Darbietungen zu provozieren – gezeigt in seinem Spielfilmdebüt „Summer 1993“ – mit einer bemerkenswert verstohlenen Erzählstruktur, die es uns ermöglicht, in das Leben dieser Menschen einzutreten, kollektiv und individuell. Mit jedem Schnitt tauchen in fließender Rotation neue Informationen über eines der Mitglieder dieser pflichtbewussten Familie auf. Bestimmte Sequenzen in der zweiten Hälfte dieses Lebensdramas ziehen sich hin, finden aber schließlich ihren Weg zu einer befriedigenden Auflösung.

Für ihren ersten Auftritt als Regisseurin ging Simón das Risiko ein, einen kindlichen Protagonisten ohne vorherige Schauspielerfahrung zu haben. Sie erweitert dies in „Alcarràs“ und erhält lebendige Darstellungen des alltäglichen Verhaltens und der Interaktionen einer ganzen Besetzung von Erstlingsschauspielern, die, angesichts ihrer Beziehung fast schockierend, nicht miteinander verwandt sind. Wie in „Sommer 1993“ zahlt sich die Wette aus, wobei Pujol Dolcet und Abad höchstes Lob verdienen.

Bei der jüngeren Generation ist das Interesse am arbeitsintensiven Geschäft unterschiedlich. Roger (Albert Bosch), Quimets halbwüchsiger Sohn, ist so stolz auf die Früchte seiner körperlichen Arbeit, dass sein Vater ihn um sein mangelndes Interesse an der Schule beneidet. Ihre Schwester Mariona (Xènia Roset) hingegen tanzt lieber mit ihren Freundinnen zu moderner Musik. Sie ärgert sich über die Macho-Dynamik, die sowohl Quimet als auch Roger an den Tag legen, um die Kontrolle über die Frauen in der Familie zu erlangen.